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Glossar Gebäudereinigung: 52 Fachbegriffe verständlich erklärt

Was Flächenleistung, Vollkostenfaktor und Verkehrssicherungspflicht wirklich bedeuten - und was sie in Ihrem Angebot kosten.

Kurz gesagt

Dieses Glossar erklärt 52 Begriffe aus Gebäudereinigung, Facility Service und Vergabe - von der Flächenleistung über das Leistungsverzeichnis bis zur Räum- und Streupflicht. Jeder Eintrag nennt zuerst die kurze Definition und danach die Bedeutung für die Praxis. Auf den Leistungs-, Branchen- und Ratgeberseiten sind dieselben Begriffe als Tooltip hinterlegt.

B

Bauendreinigung

Abschließende Feinreinigung vor Übergabe oder Bezug. Alle Oberflächen werden bezugsfertig hergerichtet, einschließlich Innenseiten von Schränken, Fensterfalzen und Sanitärarmaturen. Der Begriff wird nicht einheitlich von der Bauschlussreinigung abgegrenzt.

Die Bauendreinigung ist die letzte Stufe der Baureinigung. Sie folgt auf die Bauschlussreinigung und beseitigt Reststaub, Wischspuren und Detailverschmutzungen, die bei der Schlussreinigung aufgewirbelt wurden oder erst nach der Trocknung sichtbar werden. Der Begriff ist branchenintern uneinheitlich und wird vielfach synonym zur Bauschlussreinigung gebraucht. Für Auftraggeber ist deshalb entscheidend, den Zeitpunkt zu fixieren: Eine Feinreinigung vor der Montage der letzten Gewerke ist verlorenes Geld. Sinnvoll ist eine gemeinsame Begehung mit Protokoll, weil Bauendreinigung häufig unter Termindruck und mit kurzer Vorlaufzeit beauftragt wird.

Bauschlussreinigung

Reinigung nach Abschluss aller Bauarbeiten. Sie entfernt Bauschmutz, Mörtel- und Klebereste, Farbspritzer, Etiketten und Schutzfolien von allen Oberflächen. Gearbeitet wird von oben nach unten bis zum Bodenbelag.

Die Bauschlussreinigung stellt den Zustand her, in dem ein Gebäude abgenommen oder weiter ausgestattet werden kann. Gearbeitet wird von oben nach unten: Decken und Installationen, dann Wände, Glas, Türen, Sanitärobjekte, zuletzt Böden. Zementschleier, Silikon- und Kleberreste erfordern belagsverträgliche Spezialmittel. In der Praxis werden Bauschluss- und Bauendreinigung nicht einheitlich verwendet; manche Auftraggeber meinen dasselbe, andere trennen grobe Schlussreinigung und bezugsfertige Feinreinigung. Wer ausschreibt, sollte deshalb nicht den Begriff, sondern das Ergebnis beschreiben und festlegen, ob Schutzfolien, Etiketten und Estrichreste eingeschlossen sind.

Bauzwischenreinigung

Reinigung während der laufenden Bauphase. Sie entfernt Bauschutt, Verpackungsmaterial und Grobschmutz, damit nachfolgende Gewerke sicher und sauber weiterarbeiten können. Sie ersetzt nicht die abschließende Reinigung nach Bauende.

Die Bauzwischenreinigung findet zwischen den Gewerken statt, typischerweise nach dem Rohbau und vor dem Innenausbau. Sie schafft Arbeitssicherheit auf Verkehrswegen, verhindert das Einschleppen von Schutt in fertige Bereiche und schützt bereits verlegte Beläge. Abgegrenzt wird sie von der Bauschlussreinigung, die erst nach Abschluss aller Arbeiten erfolgt. Bauzwischenreinigung wird meist nach Stunden abgerechnet, weil Menge und Art des Schmutzes vorab nicht bestimmbar sind. Wichtig für Auftraggeber ist die Abgrenzung zur Baustellenräumung: Die Entsorgung von Bauabfällen ist Sache der bauausführenden Firmen, nicht der Gebäudereinigung.

Beschichtung

Mehrschichtiger, filmbildender Auftrag aus Polymerdispersion auf elastischen Bodenbelägen. Er schützt den Belag als erneuerbare Opferschicht und lässt sich später wieder entfernen.

Eine Beschichtung wird nach Grundreinigung und gegebenenfalls Grundierung in zwei bis vier dünnen Schichten aufgetragen und trocknet zu einem geschlossenen Film. Sie nimmt Abrieb und Kratzer auf, statt den Belag selbst zu belasten, und wird bei Verschleiß erneuert oder mit einer neuen Grundreinigung abgelöst. Abzugrenzen ist sie von der Versiegelung mit Reaktionsharzen, die dauerhaft mit dem Untergrund verbunden ist und nur mechanisch abgetragen werden kann. Für Auftraggeber ist die Rutschhemmung relevant: Wer Bewertungsgruppen nach der einschlägigen Prüfnorm einhalten muss, sollte das Beschichtungssystem vorher darauf abstimmen.

D

Dachrinnenreinigung

Entfernen von Laub, Moos und Schlamm aus Dachrinnen sowie Prüfen und Spülen der Fallrohre, damit Regenwasser kontrolliert abfließt und keine Feuchteschäden entstehen.

Verstopfte Rinnen führen zu Überlauf, durchfeuchteten Fassaden, Frostschäden und im Winter zu Eiszapfen, die eine Gefahr für Passanten darstellen. Die Reinigung gehört damit zur Instandhaltung und zugleich in den Bereich der Verkehrssicherung. Üblich sind ein bis zwei Termine im Jahr, im Herbst nach dem Laubfall und bei starkem Baumbestand zusätzlich im Frühjahr. Gearbeitet wird von der Hubarbeitsbühne, vom Gerüst oder mit Absturzsicherung auf dem Dach; Absaugtechnik vom Boden aus ist bei niedrigen Gebäuden möglich. Ein kurzes Protokoll mit Fotos dokumentiert Zustand und Schäden.

Desinfektionsplan

Verbindliche Aufstellung, welche Flächen mit welchem Mittel, in welcher Konzentration, wie lange und durch wen desinfiziert werden. Er ergänzt den Reinigungsplan.

Ein Desinfektionsplan ist immer dann erforderlich, wenn über die normale Reinigung hinaus eine Keimreduktion sichergestellt werden muss, etwa in Praxen, Pflegeeinrichtungen, Kitas oder Lebensmittelbetrieben. Er nennt Produkt, Wirkbereich, Konzentration, Einwirkzeit, Verantwortliche und Dokumentation; die Produkte stammen üblicherweise aus der VAH-Liste, bei behördlich angeordneten Maßnahmen aus der Liste des Robert Koch-Instituts. Häufigster Fehler in der Praxis ist die zu kurze Einwirkzeit: Wer eine Fläche nachwischt, bevor die angegebene Zeit abgelaufen ist, erzielt keine Desinfektionswirkung. Der Plan ist regelmäßig zu aktualisieren.

DIN 77400

Norm mit dem Titel Reinigungsdienstleistungen - Schulgebäude - Anforderungen an die Reinigung. Sie legt Mindestanforderungen für die Reinigung von Schulen und deren Sporteinrichtungen fest.

Die DIN 77400 in der Fassung von 2015 beschreibt, welche Flächen, Möbel und Sanitärobjekte in Schulgebäuden in welchem Umfang zu reinigen sind, und benennt ein Mindestniveau unabhängig vom Budget der Schule. Sie ist keine Rechtsvorschrift, wird aber von Kommunen und Schulträgern regelmäßig zur Vertragsgrundlage gemacht; viele Hygienepläne der Länder verweisen darauf. Für Auftraggeber ist sie ein nützlicher Prüfmaßstab gegen zu dünne Leistungsverzeichnisse. Wer sich auf sie beruft, sollte sie ausdrücklich als Vertragsbestandteil benennen, sonst bleibt sie eine unverbindliche Empfehlung ohne Durchgriff.

DIN EN 13549

Europäische Norm mit dem Titel Reinigungsdienstleistungen - Grundanforderungen und Empfehlungen für Qualitätsmesssysteme. Sie beschreibt, wie Reinigungsqualität objektiv gemessen und bewertet wird.

Die DIN EN 13549 stammt aus dem Jahr 2001 und richtet sich an Auftraggeber und Auftragnehmer gleichermaßen. Sie fordert, Qualitätsniveaus und Prüfverfahren bereits bei der Vergabe festzulegen, und stellt Anforderungen an ein Qualitätsmesssystem: einfache Handhabung, geringer Prüfaufwand, Objektivität, nachvollziehbare Dokumentation. Geprüft wird üblicherweise anhand zufällig ausgewählter Raumeinheiten, deren Ergebnis auf das Objekt hochgerechnet wird. Die Norm gibt den Rahmen vor, nicht die konkreten Grenzwerte - diese sind vertraglich zu vereinbaren. Für Auftraggeber ist sie die Grundlage, um Mängelquoten, Nachbesserungsfristen und Malusregelungen sachlich zu begründen.

E

Einpflege

Erstmaliger Aufbau eines Pflegefilms nach der Grundreinigung. Pflegemittel wird in mehreren dünnen Aufträgen aufgebracht und meist mit einer Poliermaschine verdichtet.

Die Einpflege stellt nach einer Grundreinigung den Schutz des Belags wieder her. Sie ist die leichtere Variante gegenüber der Beschichtung: weniger Schichten, geringerer Materialauftrag, schnellere Wiederbelegbarkeit, dafür kürzere Standzeit. Erhalten wird der Film anschließend durch die laufende Wischpflege. Der Begriff ist nicht genormt und wird in Angeboten unterschiedlich weit gefasst, teils bis hin zur vollständigen Beschichtung. Auftraggeber sollten deshalb Schichtzahl, Produkt und Nachbehandlung im Leistungsverzeichnis fixieren und die Trocknungs- und Sperrzeiten für den Bereich einplanen, bevor der Termin bestätigt wird.

F

Flächenleistung

Kennzahl für die in einer Stunde bearbeitbare Fläche, angegeben in Quadratmetern je Stunde. Sie beschreibt die Leistungsfähigkeit eines Verfahrens oder einer Maschine.

Die Flächenleistung dient der Kalkulation und dem Vergleich von Verfahren: Ein Scheuersaugautomat mit breitem Arbeitsdeck erreicht ein Vielfaches der Leistung eines Wischsystems. Herstellerangaben sind theoretische Werte unter Idealbedingungen; die praktische Leistung liegt wegen Wenden, Befüllen, Entleeren und Randarbeit deutlich darunter. In der Branche werden Flächenleistung und Quadratmeterleistung häufig synonym gebraucht, was Angebote schwer vergleichbar macht. Auftraggeber sollten deshalb nicht nach der Kennzahl fragen, sondern nach der Zahl der eingesetzten Stunden je Woche und der Zuordnung zu Flächen, weil sich daraus die tatsächliche Kalkulation ablesen lässt.

G

Gebäudereinigerhandwerk

Handwerkszweig mit dreijährigem Ausbildungsberuf und eigener Meisterprüfung. Nach der Handwerksordnung ist er ein zulassungsfreies Handwerk, für das kein Meisterbrief vorgeschrieben ist.

Das Gebäudereinigerhandwerk ist in Anlage B Abschnitt 1 Nummer 33 der Handwerksordnung geführt und damit zulassungsfrei: Ein Betrieb darf ohne Meisterbrief gegründet werden, eine Eintragung in die Handwerksrolle ist gleichwohl vorgesehen. Meisterprüfung und Ausbildungsberuf Gebäudereiniger bestehen weiter und sind das übliche Qualifikationssignal in Ausschreibungen. Gemessen an der Beschäftigtenzahl gehört die Branche zu den größten Handwerkszweigen in Deutschland. Für Auftraggeber heißt das: Der Marktzugang ist offen, Qualität lässt sich nicht am Gewerbeschein ablesen. Aussagekräftiger sind Meisterpräsenz, Ausbildungsbetrieb, Referenzobjekte und ein nachweisbares Qualitätsmesssystem.

Gefährdungsbeurteilung

Nach dem Arbeitsschutzgesetz vorgeschriebene Ermittlung und Bewertung der Gefährdungen bei der Arbeit. Sie ist die Grundlage aller Schutzmaßnahmen und muss dokumentiert werden.

Jeder Arbeitgeber muss nach Paragraf 5 Arbeitsschutzgesetz beurteilen, welchen Gefährdungen seine Beschäftigten ausgesetzt sind, und daraus Maßnahmen ableiten. In der Gebäudereinigung betrifft das vor allem Gefahrstoffe, Absturz, Rutschgefahr, Alleinarbeit, Lärm und die körperliche Belastung durch Heben und Tragen. Die Beurteilung ist objektbezogen zu konkretisieren und bei Änderungen fortzuschreiben. Für Auftraggeber ist sie doppelt relevant: Sie dürfen die Unterlagen einsehen und müssen zugleich eigene Gefährdungen im Objekt mitteilen, etwa Anlagen, Chemikalien oder Zutrittsbeschränkungen. Bei mehreren Firmen im Objekt ist die Koordination der Maßnahmen zu regeln.

Glasreinigung

Reinigung von Fensterflächen, Glastüren, Trennwänden und Glasdächern mit Einwascher und Abzieher oder mit entmineralisiertem Wasser über wasserführende Teleskopstangen. Abgerechnet wird je Flügel, je Quadratmeter oder je Turnus.

Die Glasreinigung umfasst die Glasfläche selbst, oft ergänzt um Rahmen, Falze und Beschläge, die im Leistungsverzeichnis getrennt auszuweisen sind. Abgerechnet wird meist je Fensterflügel, je Quadratmeter Glasfläche oder je Objekt und Turnus. Der Aufwand hängt weniger von der Fläche ab als von der Zugänglichkeit: Festverglasung, Innenhöfe, Oberlichter und Fassaden über drei Metern erfordern Leitern, Hubarbeitsbühnen oder Reinstwassertechnik. Auftraggeber sollten die Zählweise, den Turnus und den Umgang mit beschichteten oder vorgespannten Gläsern klären, weil hier mechanische Bearbeitung mit Klinge Schäden verursachen kann.

Graffitientfernung

Beseitigung von Farbaufträgen an Fassaden und Bauteilen mit Gelen, Lösemitteln, Heißwasserhochdruck oder Partikelstrahlen, abgestimmt auf Untergrund und Alter der Farbe.

Die Wahl des Verfahrens hängt vom Untergrund ab: Glatte, beschichtete Flächen lassen sich meist chemisch reinigen, während saugende Materialien wie Sichtbeton, Klinker oder Sandstein Partikelstrahlen oder Heißwasserhochdruck mit geringem Druck erfordern. Ein Restschatten bleibt bei porösen Untergründen häufig zurück, weil Farbpigmente eingedrungen sind. Sinnvoll ist deshalb eine Probefläche vor der Beauftragung. Vorbeugend werden Antigraffitisysteme aufgebracht, entweder als Opferschicht, die mit der Farbe abgenommen wird, oder als dauerhafter Schutz. Abwasser aus der Reinigung darf nicht ungeprüft in die Kanalisation gelangen.

Siehe auch: Beschichtung, Höhenzugang, Sonderreinigung  ·  Zur Leistung: Fassadenreinigung

Grundierung

Erste dünne Schicht auf saugenden oder porösen Belägen. Sie verschließt Poren, verhindert ungleichmäßiges Einziehen und verbessert die Haftung der nachfolgenden Beschichtung.

Die Grundierung ist Zwischenschritt, nicht Endzustand. Sie wird nach der Grundreinigung auf den trockenen, rückstandsfreien Belag aufgebracht und dient als Haftbrücke und Porenfüller, insbesondere auf Linoleum, unversiegeltem Estrich oder rauem Naturstein. Ohne Grundierung zieht die Beschichtung fleckig ein, der Verbrauch steigt und der Film reißt früher. Auf dichten, glatten Belägen ist sie dagegen entbehrlich. Auftraggeber sollten sich das vorgesehene Systemaufbau schriftlich geben lassen: Grundierung, Beschichtung und Pflegeprodukt müssen vom selben Hersteller aufeinander abgestimmt sein, sonst entfällt häufig die Produktgewährleistung.

Grundreinigung

Einmalige Tiefenreinigung, die alte Pflegefilme, Beschichtungen und festsitzende Verschmutzung vollständig vom Belag entfernt und den Ausgangszustand für einen neuen Pflegeaufbau herstellt.

Die Grundreinigung geht deutlich über die Unterhaltsreinigung hinaus. Mit alkalischen Grundreinigern, Einscheibenmaschine oder Scheuersaugautomat und passenden Pads werden Pflegefilm, Beschichtungsreste und eingetretener Schmutz abgelöst und aufgenommen. Anschließend folgt in der Regel ein neuer Aufbau aus Grundierung, Beschichtung oder Einpflege. Grundreinigung ist eine periodische oder einmalige Leistung und wird getrennt vom laufenden Vertrag kalkuliert, meist je Quadratmeter. Auftraggeber sollten Belagsart, Zustand und Trocknungszeiten vorher klären: Nicht jeder Belag verträgt jedes Verfahren, und Linoleum oder unversiegeltes Holz reagieren empfindlich auf stark alkalische Mittel und stehendes Wasser.

Siehe auch: Unterhaltsreinigung, Beschichtung, Einpflege  ·  Zur Leistung: Grundreinigung

Grünpflege

Regelmäßige Pflege der Außenanlagen eines Grundstücks: Rasenschnitt, Heckenschnitt, Beetpflege, Laubbeseitigung, Gehölzkontrolle und Entsorgung des Schnittguts. Sie dient Erscheinungsbild, Werterhalt und Verkehrssicherheit der Liegenschaft.

Grünpflege sichert Erscheinungsbild, Werterhalt und Verkehrssicherheit einer Liegenschaft. Wichtiger Rahmen ist das Bundesnaturschutzgesetz: Hecken, Gebüsche und Sträucher dürfen in der Zeit vom ersten März bis zum dreißigsten September nicht auf den Stock gesetzt oder beseitigt werden; schonende Form- und Pflegeschnitte bleiben zulässig. Baumkontrollen auf Bruch- und Standsicherheit sind gesonderte Leistungen mit eigener Qualifikation und Dokumentation. Auftraggeber sollten Schnitthäufigkeit, Umgang mit Schnittgut und Wildkrautbeseitigung im Vertrag regeln; auf versiegelten Flächen sind Herbizide ohne Genehmigung grundsätzlich unzulässig.

H

HACCP

Gefahrenanalyse und kritische Kontrollpunkte: ein präventives System der Lebensmittelhygiene, mit dem Betriebe Gefahren erkennen, lenken und die Wirksamkeit ihrer Maßnahmen belegen.

HACCP steht für Hazard Analysis and Critical Control Points. Lebensmittelunternehmer sind europarechtlich verpflichtet, ein auf diesen Grundsätzen beruhendes Verfahren einzurichten und aufrechtzuerhalten. Reinigung und Desinfektion gehören zu den Basisvoraussetzungen, auf denen das System aufsetzt: Ohne dokumentierten Reinigungs- und Desinfektionsplan mit Mittel, Konzentration, Einwirkzeit und Verantwortlichkeit fehlt dem Konzept die Grundlage. Für Auftraggeber in Kantinen, Betriebsrestaurants, Bäckereien oder Lebensmittellogistik heißt das: Der Dienstleister muss nachweisen können, was wann womit gereinigt wurde. Nachweise sind bei Kontrollen der Lebensmittelüberwachung vorzulegen und deshalb Vertragsbestandteil.

Hallenreinigung

Reinigung großer zusammenhängender Bodenflächen in Produktions-, Lager- und Logistikhallen, meist maschinell mit Aufsitzscheuersaugmaschinen. Regalgänge, Ladezonen und Randbereiche bleiben in der Regel Handarbeit.

Bei der Hallenreinigung entscheidet die Maschinenwahl über den Preis: Eine Aufsitzmaschine mit breitem Arbeitsdeck erreicht ein Vielfaches der Flächenleistung einer Handmethode, benötigt aber freie Fahrwege. Regalgänge, Palettenstellplätze, Ladezonen und Randbereiche bleiben Handarbeit. Typische Belastungen sind Reifenabrieb von Flurförderzeugen, Staub und Ölspuren. Auftraggeber sollten den Räumungsgrad vertraglich regeln, also festlegen, welche Flächen zum Reinigungstermin frei sein müssen, und Fugen, Bodenmarkierungen sowie Beschichtungen benennen. Bei beschichteten Industrieböden sind pH-Wert und Padhärte auf das Beschichtungssystem abzustimmen.

Höhenzugang

Sammelbegriff für die Verfahren, mit denen hoch gelegene Flächen sicher erreicht werden: Gerüst, Hubarbeitsbühne, Steigleiter, Teleskopstange oder seilunterstützte Zugangstechnik. Der Arbeitsschutz gibt eine feste Rangfolge dieser Verfahren vor.

Die Wahl des Höhenzugangs entscheidet über Sicherheit, Dauer und Preis einer Fassaden-, Glas- oder Hallenreinigung. Der Arbeitsschutz verlangt eine klare Rangfolge: Erst wird geprüft, ob die Arbeit vom Boden aus erledigt werden kann, dann kommen kollektive Schutzeinrichtungen wie Gerüste und Arbeitsbühnen, erst danach persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz. Seilunterstützte Zugangs- und Positionierungsverfahren sind nur mit besonders qualifiziertem Personal und Rettungskonzept zulässig. Auftraggeber sollten Aufstellflächen, Bodentragfähigkeit, Anschlagpunkte auf dem Dach und Genehmigungen für Verkehrsflächen frühzeitig klären, weil daran regelmäßig Termine scheitern.

Hygieneplan

Dokument einer Einrichtung, das alle innerbetrieblichen Verfahren zur Infektionshygiene zusammenfasst, darunter Reinigung, Desinfektion, Personalhygiene, Abfallentsorgung und Wäscheaufbereitung. Er ist Aufgabe des Betreibers, nicht des Dienstleisters.

Das Infektionsschutzgesetz verpflichtet bestimmte Einrichtungen, etwa Gemeinschaftseinrichtungen und Pflegeeinrichtungen, ihre Verfahrensweisen zur Infektionshygiene in Hygieneplänen festzulegen. Der Plan ist Sache des Betreibers, nicht des Reinigungsdienstleisters; dieser liefert jedoch die reinigungsbezogenen Teile zu und setzt sie um. Reinigungsplan und Desinfektionsplan sind Bestandteile beziehungsweise Anlagen. Für Auftraggeber ist wichtig, dass der Hygieneplan zum tatsächlichen Leistungsverzeichnis passt: Ein Plan, der arbeitstägliche Desinfektion vorsieht, während der Vertrag nur zweimal wöchentlich Reinigung vorsieht, hält keiner Begehung durch das Gesundheitsamt stand.

I

Industriereinigung

Reinigung in Produktions- und Logistikumgebungen. Sie umfasst Hallenböden, Anlagen, Krane, Rohrbrücken und Lüftungstechnik unter den Sicherheitsvorgaben des Betreibers. Gearbeitet wird meist in Schichtpausen oder im Anlagenstillstand.

Industriereinigung unterscheidet sich von der Büroreinigung vor allem durch Verschmutzungsart und Sicherheitsrahmen: Öl, Emulsionen, Metallabrieb, Staub und Produktionsrückstände statt Hausstaub. Gearbeitet wird häufig in Schichtpausen, an Wochenenden oder im Stillstand, mit Freigabescheinen, Sicherung gegen Wiedereinschalten und Unterweisung durch den Betreiber. Eingesetzt werden Aufsitzscheuersaugmaschinen, Industriesauger, Hochdruck- und Trockeneisverfahren. Für Auftraggeber sind drei Punkte kalkulationsrelevant: verfügbare Zeitfenster, Zugang zu Höhenbereichen und die Entsorgung der aufgenommenen Stoffe, die als Abfall eingestuft sein können und dann gesondert zu behandeln sind.

K

Kristallisation

Chemisch-mechanisches Verfahren für kalkhaltige Natursteine. Ein saures Mittel reagiert unter Reibungswärme mit der Oberfläche und bildet eine härtere, glänzende Randschicht.

Die Kristallisation wird auf Marmor, Kalkstein und Terrazzo eingesetzt. Ein Kristallisationsmittel auf Basis von Fluorsilikaten wird mit Stahlwolle oder speziellem Pad unter Druck und Wärme in die Oberfläche eingearbeitet; dabei entsteht eine härtere, dichtere Schicht mit Glanz. Anders als bei der Beschichtung wird kein Fremdfilm aufgebracht, sondern der Stein selbst verändert. Für silikatische Gesteine wie Granit ist das Verfahren ungeeignet. Auftraggeber sollten beachten, dass wiederholte Kristallisation Material abträgt und Alternativen wie Diamantschliff oder Politur bei tiefen Schäden die bessere Wahl sein können.

L

Leistungsverzeichnis

Vertragsdokument, das jede Reinigungsposition nach Fläche, Tätigkeit und Intervall beschreibt. Es ist die Grundlage für Kalkulation, Vergleichbarkeit der Angebote und spätere Qualitätskontrolle.

Das Leistungsverzeichnis, kurz LV, listet Raum- und Flächenarten mit Quadratmetern, den auszuführenden Tätigkeiten und dem jeweiligen Rhythmus auf. Bei öffentlichen Vergaben verlangt das Vergaberecht eine eindeutige und erschöpfende Leistungsbeschreibung, damit alle Bieter dieselbe Leistung kalkulieren. Fehlt eine Position, ist sie weder geschuldet noch bezahlt - das ist die häufigste Ursache für Streit im laufenden Vertrag. Ein belastbares LV nennt Belagsarten, Nutzungszeiten, Zugangsregelungen und periodische Arbeiten getrennt von den arbeitstäglichen. Für Auftraggeber lohnt der Aufwand: Nur ein sauberes LV macht Angebote wirklich vergleichbar.

M

Maschinenreinigung

Reinigung von Produktionsanlagen, Werkzeugmaschinen und deren Umfeld. Sie erfolgt im Stillstand, nach schriftlicher Freigabe und mit Sicherung gegen unbeabsichtigtes Wiedereinschalten.

Maschinenreinigung ist Reinigung, nicht Instandhaltung: Entfernt werden Späne, Kühlschmierstoffe, Öl, Staub und Produktrückstände von Verkleidungen, Arbeitsräumen, Schutzeinrichtungen und Auffangwannen. Demontagen, Schmierung oder Einstellarbeiten bleiben Sache der Instandhaltung. Voraussetzung ist ein abgestimmtes Freigabeverfahren mit Abschalten, Sichern und Prüfen auf Spannungsfreiheit; Elektrik und Sensorik werden abgedeckt. Die Abgrenzung zwischen Bedienpersonal und Dienstleister sollte objektbezogen schriftlich festgelegt sein. Kühlschmierstoffe und ölhaltige Rückstände unterliegen Entsorgungspflichten, die vor Beauftragung zu klären sind, weil sie den Preis spürbar beeinflussen können.

MVL

In der Reinigungsbranche uneinheitlich gebrauchte Abkürzung, meist im Umfeld von Qualitätsmessung. Eine genormte Definition existiert nicht; die Bedeutung muss vertraglich festgelegt werden.

MVL wird in Ausschreibungen und Angeboten gelegentlich verwendet und dort unterschiedlich aufgelöst, etwa als messbares Verschmutzungslevel oder als messbare Leistung. Eine genormte Definition gibt es nicht: Weder die DIN EN 13549 noch die DIN 77400 führen diese Abkürzung. Wer den Begriff in Unterlagen findet, sollte deshalb nicht raten, sondern beim Verfasser klären lassen, welche Kennzahl gemeint ist, wie sie erhoben und ab welchem Wert eine Leistung beanstandet wird. Belastbar sind stattdessen im Vertrag beschriebene Qualitätsniveaus, Stichprobenumfänge und Annahmegrenzen, die sich nachprüfen und im Streitfall belegen lassen.

O

Objektleitung

Verantwortliche Führungskraft für ein oder mehrere Objekte. Sie steuert Personaleinsatz, Einweisung, Materialbeschaffung, Qualitätskontrollen und ist fester Ansprechpartner des Auftraggebers. Eine geschützte Berufsbezeichnung ist der Begriff nicht.

Die Objektleitung ist die entscheidende Schnittstelle im laufenden Vertrag. Sie plant Schichten und Vertretungen, weist neue Kräfte ein, führt Qualitätskontrollen durch, bearbeitet Beanstandungen und stimmt Sonderleistungen ab. Eine geschützte Berufsbezeichnung ist der Begriff nicht; Zuschnitt und Betreuungsumfang unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter erheblich. Für Auftraggeber ist deshalb weniger der Titel wichtig als die Frage, wie viele Objekte eine Person betreut, wie oft sie vor Ort ist und wie sie erreichbar bleibt. Diese Angaben gehören ins Angebot und lassen sich als Vertragspflicht vereinbaren.

Osmosewasser

Durch Umkehrosmose entmineralisiertes Wasser. Es trocknet ohne Kalkflecken auf und ermöglicht Glasreinigung ohne chemische Zusätze. Abziehen und Nachwischen der Scheibe entfallen dabei vollständig.

Beim Reinstwasserverfahren wird Leitungswasser über Filter, Umkehrosmose und häufig ein nachgeschaltetes Mischbettharz von gelösten Salzen befreit. Das entstehende Wasser nimmt Schmutz besonders gut auf und hinterlässt beim Trocknen keine Rückstände, sodass Nachwischen entfällt. In Kombination mit wasserführenden Teleskopstangen lassen sich Fassadengläser vom Boden aus reinigen. Grenzen hat das Verfahren bei fest anhaftenden Verschmutzungen wie Zementschleier, Bauschmutz oder Aufklebern, die weiterhin mechanisch entfernt werden müssen. Auftraggeber sollten Wasseranschluss, Stromversorgung und die Abflussmöglichkeit für Spülwasser vorab bereitstellen, sonst entstehen Rüstzeiten.

P

PV-Modulreinigung

Reinigung der Glasoberfläche von Photovoltaikmodulen mit entmineralisiertem Wasser und weichen Bürsten, um Ertragsverluste durch Staub, Pollen, Moos und Vogelkot zu verringern.

Verschmutzte Module liefern weniger Ertrag, besonders bei flacher Neigung, in der Nähe von Landwirtschaft, Industrie oder Baumbestand. Gereinigt wird mit entmineralisiertem Wasser, weichen rotierenden Bürsten und ohne aggressive Chemie, damit Glasoberfläche, Antireflexbeschichtung und Rahmendichtungen nicht angegriffen werden. Module dürfen nicht betreten werden, weil unsichtbare Mikrorisse in den Zellen entstehen können. Vorgaben des Modulherstellers zu Wasserdruck, Temperatur und Wasserqualität sind einzuhalten, sonst kann die Gewährleistung entfallen. Auf Dachflächen gelten die Regeln für Arbeiten mit Absturzgefahr. Ein realistischer Turnus liegt meist bei ein bis zwei Reinigungen jährlich.

Q

Quadratmeterleistung

Kalkulatorische Kennzahl dafür, wie viele Quadratmeter eine Reinigungskraft im konkreten Objekt in einer Stunde bearbeitet, einschließlich aller Neben- und Wegezeiten.

Die Quadratmeterleistung ist die zentrale Stellschraube jeder Reinigungskalkulation. Sie hängt von Raumzuschnitt, Möblierung, Belagsart, Verschmutzungsgrad, Wegezeiten und dem vereinbarten Tätigkeitsumfang ab; belastbar ermitteln lässt sie sich nur über eine Probereinigung im Objekt. Auffällig hohe Werte in einem günstigen Angebot sind ein Warnsignal: Sie bedeuten entweder eine sehr knappe Zeitvorgabe für das Personal oder eine spätere Nachverhandlung. Der Begriff wird nicht einheitlich von der Flächenleistung abgegrenzt. Auftraggeber sollten sich die zugrunde gelegten Stunden je Objekt und Woche offenlegen lassen.

Qualitätskontrolle

Systematische Überprüfung des Reinigungsergebnisses anhand vereinbarter Kriterien. Ergebnisse werden protokolliert und lösen bei Abweichung Nachbesserung oder vertraglich geregelte Abzüge aus.

Wirksame Qualitätskontrolle unterscheidet sich vom gelegentlichen Rundgang durch drei Merkmale: definierte Prüfkriterien, zufällige Auswahl der geprüften Raumeinheiten und schriftliche Dokumentation. Den Rahmen dafür liefert die DIN EN 13549. Üblich sind gemeinsame Begehungen von Objektleitung und Auftraggeber in festem Turnus, ergänzt um interne Eigenkontrollen des Dienstleisters. Entscheidend ist die Rechtsfolge: Ohne vereinbarte Nachbesserungsfrist und Malusregelung bleibt jedes Protokoll folgenlos. Auftraggeber sollten außerdem festlegen, wer prüft, wie viele Einheiten je Kontrolle geprüft werden und ab welcher Fehlerquote eine Leistung als nicht vertragsgemäß gilt.

R

Rahmenreinigung

Reinigung von Blend- und Flügelrahmen, Glasleisten, Falzen, Dichtungen und Beschlägen der Fensterkonstruktion. Sie ist eine eigene Position neben der reinen Glasfläche.

Rahmenreinigung wird in Ausschreibungen häufig übersehen und führt später zu Nachträgen. Während die Glasfläche mit Einwascher und Abzieher in wenigen Minuten sauber ist, sind Falze und Dichtungen Handarbeit: Sie sammeln Staub, Insekten, Blütenstaub und Streusalzreste. Der Aufwand kann die reine Glasreinigung übersteigen, besonders bei Pulverbeschichtung, Holzfenstern oder stark bewitterten Südfassaden. Sinnvoll ist ein eigener Turnus, oft in geringerer Frequenz als die Glasreinigung. Aggressive Scheuermittel und Klingen sind an Rahmen tabu, weil Beschichtungen und Dichtungen dauerhaft beschädigt werden können.

Räum- und Streupflicht

Pflicht, Gehwege und Zugänge bei Schnee und Glätte zu räumen und zu streuen. Sie ist eine besondere Ausprägung der allgemeinen Verkehrssicherungspflicht.

Die Räum- und Streupflicht liegt im Ausgangspunkt bei den Gemeinden, wird aber durch die Straßenreinigungsgesetze der Länder und kommunale Satzungen regelmäßig auf die Anlieger übertragen. Grundstückseigentümer können sie vertraglich an Mieter oder an einen Dienstleister weitergeben; die Pflicht zur sorgfältigen Auswahl und Überwachung bleibt bei ihnen. Zeitfenster, Breite der geräumten Fläche und zulässige Streumittel ergeben sich aus der jeweiligen Satzung und sind örtlich verschieden. Für Auftraggeber ist die lückenlose Dokumentation der Einsätze entscheidend, weil im Schadensfall der Verpflichtete darlegen muss, dass er seiner Pflicht nachgekommen ist.

Siehe auch: Verkehrssicherungspflicht, Winterdienst, Streugut  ·  Zur Leistung: Winterdienst

Reinigungsplan

Objektbezogene Übersicht darüber, wer welche Fläche womit und in welchem Turnus reinigt. Er setzt das Leistungsverzeichnis in eine Arbeitsanweisung für das Personal um.

Der Reinigungsplan hängt in der Praxis im Putzraum oder liegt digital vor und benennt Bereich, Tätigkeit, Mittel, Dosierung, Häufigkeit und Zuständigkeit. Er ist ein Betriebsdokument des Dienstleisters, während das Leistungsverzeichnis den vertraglichen Anspruch definiert; beide müssen inhaltlich zusammenpassen. In Einrichtungen mit Hygieneanforderungen ist er Teil des Hygieneplans und wird um den Desinfektionsplan ergänzt. Für Auftraggeber ist er ein einfaches Prüfmittel bei Begehungen: Wo kein aktueller, lesbarer Plan vorliegt, fehlt meist auch die Einweisung des Personals und die Nachweisführung gegenüber Behörden.

Reinraumreinigung

Partikelarme Reinigung in Räumen mit definierter Luftreinheitsklasse. Verfahren, Materialien, Schleusenwege und Personalkleidung folgen den Vorgaben des Betreibers und der Reinraumklassifizierung.

Reinraumreinigung dient nicht der Optik, sondern der Einhaltung einer Partikel- und Keimgrenze. Grundlage sind die Reinraumklassen nach DIN EN ISO 14644-1 sowie betreiberseitige Hygiene- und Verfahrensanweisungen; in Pharma- und Medizintechnikumgebungen kommen GMP-Anforderungen hinzu. Gearbeitet wird mit fusselarmen, vorgetränkten Wischbezügen im Einmalsystem, definierter Wischrichtung von rein nach weniger rein und dokumentierter Chargenkontrolle der Mittel. Personal benötigt spezielle Einweisung und Reinraumbekleidung. Für Auftraggeber heißt das: Der Stundensatz liegt deutlich über dem der Unterhaltsreinigung, weil Materialverbrauch, Schleusenzeiten und Dokumentation den größten Teil des Aufwands ausmachen.

Revierleitung

Führungsebene zwischen Reinigungskraft und Objektleitung. Sie betreut ein Revier aus mehreren Flächenbereichen oder kleineren Objekten und arbeitet dabei häufig noch selbst mit.

Revierleitung wird in der Branche uneinheitlich verwendet. Teils bezeichnet sie die Person, die innerhalb eines großen Objekts mehrere Reinigungsreviere fachlich anleitet, teils die Betreuung eines geografischen Gebiets mit mehreren kleinen Objekten, etwa Treppenhäusern der Wohnungswirtschaft. Gemeinsam ist beiden Lesarten die Nähe zur ausführenden Arbeit: Kontrollgänge, Materialversorgung, Einweisung und Vertretung im Krankheitsfall. Für Auftraggeber lohnt die Nachfrage, wie viele Objekte und Personen einer Revierleitung zugeordnet sind. Ein zu weites Revier ist der häufigste Grund dafür, dass Qualitätsprobleme erst über Beschwerden der Nutzer sichtbar werden.

Revierreinigung

Organisationsform, bei der eine Reinigungskraft einen festen, klar abgegrenzten Flächenbereich eigenverantwortlich und vollständig betreut, statt sich auf einzelne Tätigkeiten zu spezialisieren.

Bei der Revierreinigung ist eine Person für ihr Revier von der Papierkorbleerung bis zum Boden zuständig. Vorteile sind klare Verantwortung, Ortskenntnis, konstante Ansprechpartner und geringere Reibungsverluste. Abzugrenzen ist die Kolonnenreinigung, bei der ein Team arbeitsteilig durch das Objekt zieht; sie ist auf großen, gleichförmigen Flächen schneller, aber unpersönlicher. Für Auftraggeber mit Sicherheitsanforderungen oder sensiblen Bereichen ist die Revierreinigung meist die bessere Wahl, weil Zutritt und Schlüsselverantwortung auf wenige feste Personen begrenzt bleiben. Vertretungsregelungen bei Urlaub und Krankheit sollten vorab geklärt sein.

RKI-Empfehlungen

Veröffentlichungen des Robert Koch-Instituts zur Infektionsprävention, darunter die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und die Liste behördlich anerkannter Desinfektionsmittel. Beide Dokumente werden fortlaufend aktualisiert.

Das Robert Koch-Institut ist die zentrale Einrichtung des Bundes für Infektionsschutz. Praktisch relevant für die Gebäudereinigung sind zwei Stränge: die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention, die den Stand der Technik für Reinigung und Flächendesinfektion in Gesundheitseinrichtungen beschreiben, und die vom RKI geführte Liste der geprüften Desinfektionsmittel und Verfahren für behördlich angeordnete Entseuchungen nach dem Infektionsschutzgesetz. Im Routinebetrieb wird dagegen üblicherweise die VAH-Liste herangezogen. Auftraggeber im Gesundheits- und Pflegebereich sollten den Bezug auf die jeweils geltende Fassung im Hygieneplan und im Vertrag ausdrücklich herstellen.

S

Sicherheitsdatenblatt

Standardisiertes Dokument mit sechzehn Abschnitten zu einem Reinigungs- oder Desinfektionsmittel. Es informiert über Gefahren, Schutzmaßnahmen, Lagerung, Erste Hilfe und Entsorgung.

Sicherheitsdatenblätter sind europarechtlich in der REACH-Verordnung geregelt und müssen dem gewerblichen Verwender bei Lieferung kostenfrei bereitgestellt werden. Sie sind die Datengrundlage für die Gefährdungsbeurteilung und für die Betriebsanweisungen, mit denen Reinigungskräfte unterwiesen werden. Abzugrenzen ist das technische Merkblatt des Herstellers, das Dosierung und Anwendung beschreibt, aber keine sicherheitsrelevanten Angaben ersetzt. Für Auftraggeber ist die Sammlung der im Objekt eingesetzten Sicherheitsdatenblätter ein einfacher Prüfpunkt: Wer sie nicht vorlegen kann, hat sein Gefahrstoffmanagement nicht im Griff. Bei Produktwechsel sind die Unterlagen zu aktualisieren.

Sichtreinigung

Reinigung nach sichtbarem Bedarf statt nach festem Turnus. Die Fläche wird kontrolliert und nur bearbeitet, wenn sie tatsächlich verschmutzt ist.

Sichtreinigung ist kein genormter Begriff, sondern eine Vertragsvereinbarung. Statt eines festen Intervalls wird ein Kontrollgang vereinbart, bei dem die Reinigungskraft entscheidet, welche Flächen Aufwand brauchen. Das senkt Kosten in schwach genutzten Bereichen, verlagert aber Verantwortung auf den Dienstleister und macht die Leistung schwerer nachprüfbar. In Treppenhäusern und Nebenflächen ist die Sichtreinigung verbreitet, in Sanitärbereichen ist sie ungeeignet. Wer sie vereinbart, sollte im Leistungsverzeichnis festhalten, wie oft kontrolliert wird und welcher Sauberkeitszustand als Untergrenze gilt - sonst ist der Streit über Minderleistung vorprogrammiert.

Sonderreinigung

Einmalige oder anlassbezogene Leistung außerhalb des laufenden Vertrags. Sie wird gesondert beauftragt, gesondert kalkuliert und meist nach Aufwand oder Fläche abgerechnet.

Zur Sonderreinigung zählen Grundreinigungen, Bauschlussreinigungen, Reinigung nach Wasser- oder Brandschäden, Umzugs- und Leerstandsreinigungen sowie schwer zugängliche Bereiche wie Lüftungskanäle, Lichtkuppeln oder Technikräume. Abgegrenzt wird sie von der Unterhaltsreinigung, deren Positionen im Turnus laufen, und von periodischen Leistungen, die zwar selten, aber vertraglich vereinbart sind. Für Auftraggeber ist die saubere Trennung wichtig, weil Sonderreinigungen sonst als angebliche Selbstverständlichkeit eingefordert oder umgekehrt doppelt bezahlt werden. Sinnvoll ist eine Preisliste mit Stundensätzen und Quadratmeterpreisen als Anlage zum Rahmenvertrag.

Sprühextraktion

Nassverfahren für textile Bodenbeläge. Reinigungslösung wird unter Druck in den Flor gesprüht und der gelöste Schmutz im selben Arbeitsgang wieder abgesaugt.

Die Sprühextraktion ist das gründlichste Verfahren für Teppichböden und zählt zur Grundreinigung textiler Beläge. Sie erreicht auch tiefer sitzenden Schmutz, bringt aber Feuchtigkeit in den Belag: Trocknungszeiten von mehreren Stunden bis zu einem Tag sind einzuplanen, weshalb Termine meist auf Freitage oder Betriebsruhe gelegt werden. Abzugrenzen ist sie von der Zwischenreinigung mit Pad- oder Shampooverfahren, die schneller trocknet, aber weniger tief wirkt. Nicht jeder Belag ist geeignet: Jute- und Naturfaserrücken, empfindliche Verklebungen und Sisal können durch Nässe schrumpfen oder Ränder bilden.

Streugut

Material zur Bekämpfung von Glätte. Unterschieden werden abstumpfende Mittel wie Sand, Splitt und Granulat sowie auftauende Mittel wie Streusalz auf Natriumchloridbasis.

Abstumpfende Streumittel wirken mechanisch und sind umweltverträglicher, müssen aber nachgestreut und im Frühjahr aufgekehrt und entsorgt werden. Auftauende Mittel wirken schneller und flächiger, greifen jedoch Beläge, Metall und Bepflanzung an. Viele kommunale Satzungen untersagen Salz auf Gehwegen und lassen es nur an Gefahrenstellen oder bei Eisregen zu; maßgeblich ist immer die örtliche Regelung. Auftraggeber sollten Materialart, Lagerort, Vorhaltemenge und die Frühjahrsreinigung im Vertrag benennen, weil diese Positionen sonst als Nachtrag auftauchen. Auf Tiefgaragenrampen und beschichteten Flächen ist die Materialwahl mit dem Belagshersteller abzustimmen.

T

Tagesreinigung

Reinigung während der regulären Nutzungszeit des Gebäudes statt in Rand- oder Nachtstunden, international auch Daytime Cleaning genannt. Sie spart Zuschläge, erfordert aber mehr Abstimmung.

Tagesreinigung verlagert die Arbeit in die Betriebszeit. Vorteile sind der Wegfall von Nacht- und Wochenendzuschlägen, geringerer Energieverbrauch für Beleuchtung und Heizung, bessere Erreichbarkeit des Reinigungspersonals für Nutzer und attraktivere Arbeitszeiten, was die Personalgewinnung erleichtert. Nachteile sind mögliche Störungen in Großraumbüros, eingeschränkter Zugang zu belegten Räumen und höherer Abstimmungsaufwand. In Sanitärbereichen und Verkehrsflächen funktioniert das Modell gut, in Besprechungs- und Konzentrationszonen weniger. Auftraggeber sollten die Umstellung mit der Belegschaft kommunizieren und Zeitfenster je Bereich verbindlich festlegen, sonst entstehen Lücken.

Teleskopstange

Ausziehbare Stange aus Carbon oder Glasfaser, meist wasserführend mit Bürstenkopf. Sie erlaubt Reinigung in Höhe vom sicheren Standort am Boden aus.

Wasserführende Teleskopstangen sind heute Standard für Glas- und Fassadenreinigung bis in Höhen von etwa zwanzig Metern. Sie ersetzen in vielen Fällen Hubarbeitsbühne oder Gerüst und reduzieren damit sowohl Kosten als auch Absturzrisiko. Grenzen setzen Windlast, das Gewicht der ausgefahrenen Stange, vorstehende Bauteile, Balkone und nicht einsehbare Flächen: Was von unten nicht kontrolliert werden kann, lässt sich auch nicht sicher beurteilen. In der Nähe von Freileitungen sind Mindestabstände einzuhalten. Auftraggeber sollten im Angebot verlangen, dass die Zugangstechnik je Fassadenabschnitt benannt wird.

U

Unterhaltsintervall

Häufigkeit, mit der eine Position des Leistungsverzeichnisses ausgeführt wird, etwa arbeitstäglich, dreimal wöchentlich, wöchentlich, monatlich oder mehrmals jährlich. Neben der Fläche ist es der stärkste Preistreiber.

Das Intervall ist neben der Fläche der stärkste Preistreiber im Reinigungsvertrag. Eine Halbierung der Frequenz senkt die Kosten fast proportional, verschiebt aber Aufwand in die Zukunft: Böden, die selten gepflegt werden, benötigen früher eine Grundreinigung. Sinnvoll ist eine Differenzierung nach Raumart statt einer pauschalen Frequenz für das ganze Objekt. Sanitärbereiche und stark frequentierte Verkehrsflächen vertragen keine Reduktion, Archive und selten genutzte Besprechungsräume dagegen sehr wohl. Auftraggeber sollten Intervalle in Wochen- oder Jahreswerten angeben, damit Angebote rechnerisch vergleichbar bleiben und Nachverhandlungen nachvollziehbar werden.

Unterhaltsreinigung

Regelmäßig wiederkehrende Reinigung im laufenden Betrieb, die den vereinbarten Sauberkeitszustand erhält. Umfang und Häufigkeit jeder Position stehen im Leistungsverzeichnis und bestimmen den Preis.

Die Unterhaltsreinigung ist die Grundleistung im Gebäudebetrieb: arbeitstäglich, mehrmals wöchentlich oder wöchentlich werden Böden, Sanitärbereiche, Handkontaktflächen und Mobiliar im Turnus bearbeitet. Sie hält einen Zustand, sie stellt ihn nicht wieder her - dafür ist die Grundreinigung zuständig, die Pflegefilme und festsitzende Verschmutzung entfernt. Für Auftraggeber entscheidend ist die Trennung von arbeitstäglichen und periodischen Positionen: Wer periodische Leistungen wie Sockelleisten, Heizkörper oder Glasflächen nicht ausdrücklich im Leistungsverzeichnis nennt, bekommt sie auch nicht. Der Preis folgt der Fläche, dem Intervall und dem Aufwand je Raumart.

V

VAH-Liste

Verzeichnis geprüfter Desinfektionsmittel und Verfahren des Verbunds für Angewandte Hygiene. Es gilt als Standardreferenz für die prophylaktische Desinfektion im Routinebetrieb.

Die VAH-Liste wird vom Verbund für Angewandte Hygiene herausgegeben und listet Produkte, deren Wirksamkeit nach definierten Prüfmethoden zertifiziert wurde, mit Konzentration und Einwirkzeit. Sie ist die übliche Grundlage für Flächen- und Händedesinfektion in medizinischen und nicht medizinischen Einrichtungen und wird in einschlägigen Leitlinien empfohlen. Abzugrenzen ist sie von der Liste des Robert Koch-Instituts, die für behördlich angeordnete Entseuchungen maßgeblich ist. Rechtlich verbindlich ist die VAH-Liste nicht; sie erhält ihre Wirkung dadurch, dass Hygienepläne und Ausschreibungen ausdrücklich auf sie verweisen. Genannt sein müssen immer Produkt, Konzentration und Einwirkzeit.

Verkehrsfläche

Fläche, die der Erschließung dient: innen Flure, Treppenhäuser, Aufzugsvorräume und Eingangsbereiche, außen Zuwegungen, Zufahrten, Stellplätze und Ladezonen. Diese Flächen sind stark frequentiert und haftungsrelevant.

Verkehrsflächen sind stark frequentiert, tragen den Schmutzeintrag von außen und prägen den ersten Eindruck eines Objekts. In der Flächenaufstellung nach DIN 277 bilden sie eine eigene Kategorie neben Nutzungs- und Technikflächen, was die Kalkulation erleichtert. Sie haben zugleich das höchste Haftungsrisiko: Rutschgefahr, lose Beläge oder fehlende Streuung führen unmittelbar zu Ansprüchen aus der Verkehrssicherungspflicht. Praktisch wirksam ist ein ausreichend dimensionierter Sauberlaufbereich am Eingang; mehrere Meter Laufzone verringern den Schmutzeintrag in das gesamte Gebäude spürbar und senken den Reinigungsaufwand dauerhaft.

Verkehrssicherungspflicht

Pflicht, von einem Grundstück oder Gebäude ausgehende Gefahren abzuwenden. Ihre Verletzung kann nach den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs Schadensersatzansprüche auslösen.

Die Verkehrssicherungspflicht ist eine von der Rechtsprechung entwickelte deliktsrechtliche Verhaltenspflicht, die an Paragraf 823 Bürgerliches Gesetzbuch anknüpft. Wer einen Verkehr eröffnet, etwa ein Bürogebäude für Besucher, muss zumutbare Vorkehrungen gegen erkennbare Gefahren treffen: rutschige Böden, lose Beläge, herabfallende Äste, Eis und Schnee, ungesicherte Baustellen. Die Pflicht kann auf Dienstleister übertragen werden, dann bleiben Auswahl-, Einweisungs- und Überwachungspflichten beim Übertragenden. Für Auftraggeber bedeutet das praktisch: klare vertragliche Zuordnung, dokumentierte Kontrollen und nachvollziehbare Reaktionszeiten. Dies ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

W

Winterdienst

Räumen und Streuen von Verkehrsflächen eines Grundstücks während der Wintermonate, einschließlich Kontrollfahrten, Bereitschaft und Dokumentation der Einsätze. Abgerechnet wird als Saisonpauschale oder nach tatsächlichem Aufwand.

Gewerblicher Winterdienst umfasst mehr als das Schieben von Schnee: Er beginnt mit der Bereitschaft, also der Beobachtung der Wetterlage und der Fähigkeit, innerhalb kurzer Frist auszurücken. Vertraglich zu klären sind Einsatzzeiten, Auslösekriterien, Räumbreiten, Ablagerungsflächen für Schnee, Streumittel und die Erreichbarkeit außerhalb der Geschäftszeiten. Abzugrenzen ist der kommunale Straßenwinterdienst, der Fahrbahnen betrifft, nicht Gehwege und Zufahrten des Grundstücks. Weil im Schadensfall der Nachweis zählt, gehören Einsatzprotokolle mit Datum, Uhrzeit, Fläche und Material zum Leistungsumfang. Abgerechnet wird als Saisonpauschale oder nach tatsächlichen Einsätzen.

Wischpflege

Pflegemittel, das dem Wischwasser zugesetzt wird und beim laufenden Wischen gleichzeitig reinigt und einen dünnen Pflegefilm auf dem Belag erneuert.

Wischpflege verbindet Reinigung und Pflege in einem Arbeitsgang und wird vor allem auf elastischen Belägen wie PVC, Linoleum und Kautschuk eingesetzt. Der aufgebaute Film schützt die Oberfläche, gleicht Mikrokratzer aus und erleichtert die nächste Reinigung. Zu hohe Dosierung führt jedoch zu Schichtaufbau, Schmierfilm und Rutschgefahr, zu niedrige zu fehlendem Schutz. Abzugrenzen ist die Wischpflege von der Beschichtung, die als eigenständiger Aufbau in mehreren Schichten aufgetragen wird, und von der Einpflege, die einmalig nach einer Grundreinigung erfolgt. Auftraggeber sollten Produkt und Dosierung im Objekt dokumentieren lassen.

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